Wie kam es zum Wechsel vom Sabbat zum Sonntag?


In diesem Bericht geht es um den Ursprung und die Hintergründe, wie und warum im 4. Jahrhundert n. Chr. der Sonntag in der römischen Kirche offiziell eingeführt wurde. Dabei geht es weit mehr als nur um eine 24 stündige Zeitverschiebung. Diese dramatische Entwicklung sollte uns Christen auch heute nicht gleichgültig lassen

Grundsätzlich werden Wochentage in der Bibel nicht mit Namen, sondern nur mit Zahlen bezeichnet. Die Ausnahme bildet da der Sabbat - selbst durch den Namen hebt er sich von den anderen Tagen ab.
Der Sonntag wird in der Bibel einfach als erster Tag der Woche bezeichnet. Sucht man alle Stellen im Neuen Testament, in denen vom ersten Tag der Woche die Rede ist, wird man keine einzige Stelle finden, die von einer Änderung des von Gott bestimmten Ruhetages spricht.

Info: Der Sonntag
Auf lateinisch dies Solis ("Tag der Sonne, des Sonnengottes") zurückgehender Name sakralen Ursprungs. Die Sonntagsfeier ist letztlich auf den Festtag des babylonischen Gottes Schamasch zurückzuführen. Die urchristliche Gemeinde versammelte sich am Sonntag als dem Auferstehungstag Jesu, dem "Herrentag" (griechisch kyriake hemera; lateinisch dies domenica). Damit trat er für die ersten Christen als Feiertag der Woche allmählich an die Stelle des jüdischen Sabbat. Konstantin der Große (306 - 337) verordnete im Jahre 321 gesetzlich die Sonntagsfeier.

Erfahren Sie hier mehr über den damals vorherrschenden Sonnenkult.

Das unterwanderte Christentum
Langsam aber sicher -   Der Sonntag wird zum Gedenktag

Im zweiten Jahrhundert begannen manche Christen, Abendversammlungen am Sonnentag abzuhalten. Natürlich mussten sich die Christen, wenn sie sich schon mit den Heiden den Freudentag teilen wollten, in einer gewissen Form abgrenzen. Man fing an, bestimmte Eigenarten der heidnischen Gesellschaft zwar zu übernehmen, aber gab ihnen andere Bedeutungen. Der Sonnentag wurde mit Christus, dem wahren Licht - der wahren Sonne, verglichen. Die Versammlung wurde zum Gedächtnis der Auferstehung Jesu abgehalten.
Dabei ist zu bemerken, dass Berichte über diese Versammlungen schon am Anfang des 2. Jahrhunderts keine wirkliche Grundlage haben. Bestimmte Ausdrücke wie z. B. "Herrentag" werden einfach mit dem Sonntag in Verbindung gebracht. Für die Christen war aber bis Ende des zweiten Jahrhunderts der Herrentag immer der Sabbat - dies stand mit den biblischen Schriften in Übereinstimmung:
"Aber am siebenten Tage ist der Sabbat des HERRN, deines Gottes." 2. Mose 20, 10

Der HERR, der Schöpfer des Himmels und der Erde, machte den siebten Tag zu seinem Ruhetag. Der Mensch sollte an diesem Tag des Herrn auch ruhen. Es konnte überhaupt kein Zweifel bestehen, das der "Tag des Herrn" der Sabbat war. Erst durch die Vermischung mit heidnischen Kulten deuteten römische Christen biblische Begriffe um.
Die Gedenkversammlungen an die Auferstehung Jesu standen aber mit dem Sabbat nicht in Konkurrenz. Dies gibt man auch von römisch katholischer Seite zu: "Der erste Wochentag sollte zunächst dem Sabbat nicht Konkurrenz machen. Es ist nicht richtig, wenn man meint, dass gleichsam der Sabbat nun abgeschafft war und an dessen Stelle sogleich der neue Tag trat. Denn der Sabbat, der siebente Tag, war der Tag der Ruhe, das ist aber der erste Tag der Woche nicht gewesen; er war der Tag des Gedächtnisses des Herrn und seiner Auferstehung. Von einer Arbeitsruhe war zunächst gar keine Rede."
Prof. P. Tschinkel, Kath. Monatschrift "Bibel und Liturgie", zitiert im Linzer Kirchenblatt; 25.1.1959


Rom - die Quelle des Sonntags

Im Bezug auf den Sonntag erklärte Papst Johannes Paul II unmissverständlich und offen: "Auf Grund einer wohlüberlegten pastoralen Eingebung sah sich nämlich die Kirche veranlasst, die Bezeichnung "Tag der Sonne" - ein Ausdruck, mit dem die Römer diesen Tag benannten und der noch in einigen modernen Sprachen aufscheint - für den Herrentag zu christianisieren; dadurch sollten die Gläubigen von Sitzungen des Sonnenkultes (mehr über den Sonnenkult), wo die Sonne als Gott verehrt wurde, abgehalten und die Feier dieses Tages auf Christus, die wahre "Sonne" der Menschheit, ausgerichtet werden. Der hl. Justinus gebraucht, wenn er an die Heiden schreibt, die gängige Terminologie, um zu vermerken, dass die Christen ihre Versammlung "am Sonnentag" abhielten, aber der Bezug auf diesen Ausdruck gewinnt nun für die Gläubigen einen neuen, vollkommenen evangelischen Sinn."
Quelle: DIES DOMINI 27 (Absatz 27)


Die Staatskirche
Das Ende des Sabbats

Die früher verfolgte Kirche wurde im Laufe der Zeit nicht nur toleriert, sondern gefördert und letztendlich als allein berechtigt anerkannt.
Kaiser Konstantin ging in die Geschichte des großen Förderers für das Christentum ein. Seine angebliche Bekehrung am Sterbebett allerdings bezweifeln alle seriösen Geschichtsschreiber.
Konstantin, von seinen Soldaten 305 n. Chr. zum Kaiser ausgerufen, verbot 311 n. Chr. die Christenverfolgung (Duldungsedikt). Dies geschah weniger aus Überzeugung gegenüber der christlichen Lehre, sondern vielmehr aus kalkulierten, politischen Gründen. Der Alleinherrscher wollte Einheit und Einfluss in seinem Reich. Die verschiedenen, sich konkurrierenden religiösen Strömungen waren diesem Plan nicht besonders dienlich. Konstantin versuchte deshalb nicht nur die militärische, sondern auch die gesellschaftliche Einheit zu erreichen. Dabei spielte die Religion die Hauptrolle. Besonders das aufstrebende Christentum und der starke Einfluss des Mithraskultes mussten miteinander versöhnt werden.
Durch die plötzliche Aufmerksamkeit des Staates geehrt, gingen die römischen Christen viele Kompromisse ein. Es fanden politisch/religiöse Versammlungen statt, bei denen die Weichen für die Zukunft gestellt wurden.

Das erste Sonntagsgesetz

Betreffs des hoch geehrten Sonnentages gab 321 n. Chr. Konstantin das erste Sonntagsgesetz heraus:
"Alle Richter und Einwohner der Städte, auch die Arbeiter aller Künste, sollen am ehrwürdigen Tag der Sonne ruhen."
Corpus juris Civills, II Codex Justinianus, III, 12, 2


Meyers Grosses Standard Lexikon

Konstantin gelang durch dieses Gesetz ein genialer Schachzug. Er vereinte die kompromissbereiten Christen mit dem heidnischen Kult. Der plötzlich gemeinsame Ruhetag war aber nur ein heidnischer "Ableger" von vielen. Die Heiligen-, Reliquien- und Bilderverehrung waren z.B. weitere Sitten, die Eingang in die Kirche Roms fanden. Allerdings behielten sie nicht den ursprünglichen Namen bei und die Bedeutung wurde "christianisiert".


Sabbatverbote
Es dauerte nicht lange bis die ersten Sabbatverbote kamen. Im Konzil von Laodizea kam man zum folgenden Beschluss:
"Die Christen dürfen nicht nach Judenart am Sabbat müßig sein, sondern sollen an diesem Tage arbeiten. Sie mögen dem Herrentag den Vorzug geben und als Christen ruhen, falls sie es können. Werden sie aber als Judaisierende erfunden, so seien sie von Christus ausgeschlossen."
Kirchengesetz, Konzil von Laodizea (343-381 n. Chr.) - Geist und Buchstabe der Sonntagsruhe, S. 82, 83

Hat die Beachtung des richtigen Feiertages heute noch eine Bedeutung?
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